Gerhard Hoehme

Das Werk von Gerhard Hoehme ist im Kontext der deutschen, wie auch der internationalen Nachkriegskunst von bemerkenswerter Eigenständigkeit gekennzeichnet. Schon Ende der 1950er Jahre überschritt er die Grenzen der Bildkonzepte des deutschen Informel, zu dessen Vertretern er ursprünglich gezählt wurde, zugunsten einer formalen wie auch inhaltlichen Öffnung seines Werkes. An Stelle des reinen gestischen Aktes traten nun ein radikales Ausloten der Möglichkeiten des Materials sowie eine äußerst tiefe und vielschichtige Bild- und Ideenwelt, in der sich Hoehme als gleichsam sensibler wie ernsthafter Beobachter des komplexen Kosmos des Ichs und der Umwelt offenbart.

In ihrer klaren, da konzentrierten, Form verdeutlichen die Papierarbeiten des Künstlers die experimentelle Lust am Material und die Vielfalt der Themen und Fragestellungen, mit denen Hoehme sich auseinandersetzte. Sind einige Arbeiten im direkten Zusammenhang mit Werkgruppen wie beispielsweise den Fenster- oder Schnittmusterbildern der 1960er und 70er Jahre zu sehen, beleuchten andere, wie die Blätter der 1980er Jahre, besondere Aspekte Hoehmes Erfahrungs- und Gedankenwelt, in der sich Natur als Generator verschiedenster physischer, affektiver, seelischer und geistiger Kräfte darstellt. Das große Thema Hoehmes, das Schaffen von „Relationen“, wird auch in den Papierarbeiten deutlich. Das Werk ist Aussage und zugleich Mittler, zwischen Form und Inhalt, Künstler und Betrachter, uns und den Energien und Kräften, aus denen sich unsere Wirklichkeit zusammenbaut.

Gerhard Hoehme: Relationen – Werke von 1964 bis 1986 und Hoehme im Kontext der Düsseldorfer Kunstakademie: Werke von Sigmar Polke und Chris Reinecke

Anfang 2015 zeigte Beck und Eggeling eine umfassende Werkschau mit Bildern und raumbezogene Arbeiten aus den 1960er, 1970er und 1980er Jahren. Malerei und konzeptuelle Strenge standen hier kontrastreich nebeneinander. Im Kontext der Relationen konzentriert sich ein separater, museal konzipierter Ausstellungsteil auf zwei der wichtigsten Schüler seiner ersten Akademieklasse: Sigmar Polke (1941-2010) und Chris Reinecke (*1936). 

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Gerhard Hoehme – Installationsansicht der Ausstellung bei Beck & Eggeling 2015



Zur Ausstellung ist 2015 ein 112 Seiten umfassendes Katalogbuch im Beck & Eggeling Kunstverlag erschienen (ISBN: 3-930919-98-4).

In Kooperation mit der Gerhard und Margarete Hoehme-Stiftung vertritt Beck & Eggeling den Nachlass des Künstlers auf dem internationalen Kunstmarkt.

Noch bis zum 20. März sind Papierarbeiten des Künstlers auf der TEFAF in Maastricht zu sehen.