Kommentar zum geplanten Kulturgutschutzgesetz

Ute Eggeling und Michael Beck - Galerie Beck & Eggeling Düsseldorf 04/2014

Ute Eggeling und Michael Beck – Galerie Beck & Eggeling
Foto: Michael Dannenmann

 

 „Der Galerist befindet sich ähnlich einem Psychiater fortlaufend in zahllosen Beziehungsdramen zwischen Künstlern, Kollegen und Kunden. Weltweit. Wie er das erträgt, weiß kein Mensch.“ (Michael Beck)

Das aktuelle Drama läuft schon seit einigen Wochen und trägt den Namen „Kulturgutschutzgesetz“; die Hauptrolle darin spielt unsere Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die damit sicher nur Gutes im Sinn hat, aber sich eben leider gehörig mit einer Gesetzesnovelle, die schon in anderen Ländern verhasst ist und nur vollkommen unpraktikabel angewendet werden könnte, vergriffen hat. Wie sie da wieder rauskommt?

Aber so wie es zur Zeit aussieht, will sie gar nicht zurück – trotz größter Proteste und klarer Argumente vieler Fachleute gegen ihren Gesetzesentwurf. Das ist unverständlich, denn die Einsicht des Fehlgriffs bei all diesen Gegenargumenten wäre leicht. Aber das Scheitern ihres Projektes wäre wohl mit ihrem eigenen Scheitern in der Politik gleichzusetzen. Vielleicht.

Es gibt so viele Ungereimtheiten, wie kalte Enteignung, bürokratischer Riesenaufwand, Gefahr der Willkür von Beamten, Vertreibung des deutschen Kunsthandels ins Ausland etc., etc., die in vielen Artikeln in den führenden deutschen Tageszeitungen und Kunstmagazinen veröffentlicht wurden, dass wir nicht noch einmal detailliert darauf eingehen wollen. Es geht uns hier eher um einen großen Gedanken: Wieso möchte Frau Grütters, nachdem Europa mit größten Anstrengungen die gefährlichen Nationalismen überwunden hat, bei der Kulturpolitik dorthin wieder zurück? Was für ein Geistesblitz und welche Kurzsichtigkeit hat sie bewogen, ein neues „kulturelles Deutschtum“ initiieren zu wollen? Nur weil andere Länder in der Europazone schon so falsch agieren? Harmonisierungsgesetze, die Europa entzweien?

Europa steckt in der Krise, vor allem auch intellektuell, und größte Bemühungen sind notwendig, Europa zusammenzuhalten. Politiker und Gesetze schaffen das nicht; das haben wir gesehen und sehen es in der Griechenlandkrise fast tagtäglich. Es sind wir Bürger, die ein vereintes Europa mit ähnlichen kulturellen und intellektuellen Zielen durch den aktiven und freien Austausch dieser erschaffen können. Wollen wir das schaffen, benötigen wir bestimmt kein Gesetz für die Regulierung der Freizügigkeit von Gütern, wie Kunst es auch ist, sollen unsere Gedanken, die sich in der Kunst formulieren, in Europa zirkulieren. Monika Grütters‘ Kulturgutschutzgesetz konterkariert den europäischen Gedanken und die Überwindung des Nationalismus! Solch ein Gesetz wollen wir nicht!

P.S.: Und nichts für ungut, aber: die zuende-gedachte (aber Gott sei Dank kaum durchzuführende) Konsequenz dieses „Kulturgutschutzgedankens“ ist, dass jede Nation ihre eigene Kunst „schützt“ und es keinen Austausch mehr gibt. Also in England könnte man dann die exemplarisch wichtige englische Kunst, in Frankreichs Museen und Galerien französische und eben in Deutschland deutsche Kunst betrachten. Der konsequente Folgeschritt wäre natürlich, fremdes, ausländisches Kulturgut wieder in seine Heimatländer zurückzugeben. Vielleicht denken manche Politiker nicht so weit? Tschüss Nofretete und Tschüss ihr schönen, geliebten Impressionisten und Tschüss du exemplarische Popart in Köln und Tschüss, Tschüss, Tschüss!

Ute Eggeling, Michael Beck
Düsseldorf im Juli 2015